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Trommelkünstler
Jost Nickel

Der Profimusiker haut nicht nur mit Jan Delay in der Band "Disko No. 1" auf die Pauke, sondern ist auch sonst sehr aktiv. Mehr Infos unter: www.jostnickel.com

Interview

"Wir sind die heimlichen Dirigenten"

Jost Nickel ist einer der besten deutschen Schlagzeuger und spielt mit Jan Delay auf den ganz großen Bühnen. Im Gespräch beantwortet der 46-jährige SONOR-Markenbotschafter sowohl musikalische als auch Charakter- und Materialfragen.

Herr Nickel, als Kind lernten Sie zuerst Klavier. Warum blieben Sie nicht dabei?
Das habe ich schon ganz gern gespielt, aber erst das Schlagzeug hat meine Leidenschaft entfacht. Bis ich 18 war, nahm ich parallel weiter Klavierunterricht. Davon profitiere ich bis heute.

Weil das Schlagzeug im Vergleich zum Piano gar kein richtiges Musikinstrument ist?
Das ist natürlich Unsinn. Jedes Musikinstrument hat seine Rolle. In der Pop- und Rockmusik ist das Schlagzeug sogar eines der wichtigsten Instrumente, weil es die Dynamik, das Tempo und das Zusammenspiel einer Band stark beeinflusst – fast sind wir Schlagzeuger so etwas wie die heimlichen Dirigenten.

Was fasziniert Sie gerade am Trommeln so sehr?
Das ist schwierig zu sagen – und wahrscheinlich könnten diese Antwort auch andere Instrumentalisten geben: Ich mag es, mich völlig in das Spiel zu vertiefen. Die intensive Beschäftigung mit einem Instrument hat etwas Meditatives, auch wenn man alleine spielt. Es ist eine sinnstiftende Tätigkeit.

Eine Melodie erklingen zu lassen – dazu sind Sie aber leider nicht in der Lage.
Das stimmt – genauso wenig kann aber beispielsweise ein Saxofonist einen Akkord spielen. Die Instrumente müssen sich ergänzen. Was ich am Schlagzeug mag: Es erzeugt Rhythmus pur. Und Rhythmus ist etwas ganz Entscheidendes für jede Musik. Er bringt Menschen überall auf der Welt zum Tanzen. 

Rhythmus pur: Jost Nickel tritt gern auch solo mit seinem Schlagzeug auf. Das Publikum braucht offenbar keinen Gesang oder Akkorde zum Tanzen.
Erfolgsalbum

Die CD "Hammer & Michel" erschien 2014. Live spielen Jan Delay und seine Band am 25. Juni in Bonn, am 7. Juli in München, am 8. Juli in Straubenhardt. Natürlich mit Jost Nickel an den Drums.

Sind Schlagzeuger vom Charakter her allesamt Haudraufs?
Nein. Natürlich ist jeder unterschiedlich. Aber wenn es eine Gemeinsamkeit gibt, dann trifft eher das Gegenteil zu: Schlagzeuger haben meistens ein sehr starkes Verantwortungsgefühl. Sie wissen, wie wichtig sie für das Zusammenspiel der Band sind.

Wie eng ist die Beziehung zu Ihrem Instrument, zu Ihrem Material?
Sehr eng. Der Klang einer Trommel ist extrem wichtig, ich habe eine ganz bestimmte Vorstellung davon. Ein Laie mag die Unterschiede nicht sofort hören, aber sie sind riesig. Ich spiele wirklich am liebsten Sonor-Schlagzeuge, weil sie es mir leicht machen, genau den Klang zu erzeugen, den ich haben will.

Was unterscheidet ein gutes von einem schlechten Drumset?
Die guten lassen sich ganz einfach stimmen, die billigen überhaupt nicht. Das liegt an der Fertigungsqualität und an den verwendeten Hölzern. Auch die Haltbarkeit ist eine ganz andere: Im Prinzip kann ich mein Sonor-Schlagzeug, wenn es nur zu Hause steht, Jahrzehnte spielen. Es wird im Klang sogar eher besser. Trotzdem will man natürlich auch mal etwas Neues spielen: andere Trommelgrößen, andere Hölzer. Ich habe da den großen Vorteil, dass ich durch meine Kooperation mit Sonor viel ausprobieren kann.

Wie wichtig ist Ihnen als Profi die Optik?
Wir sind auf einer Bühne und werden gesehen: Natürlich spielt da das Aussehen des Schlagzeugs eine Rolle. Nicht nur der Klang. Ich habe mal gelesen, dass 50 Prozent der Wahrnehmung eines Konzerts von optischen Reizen geprägt werden.

"Wir sind auf einer Bühne und werden gesehen: Natürlich spielt da das Aussehen des Schlagzeugs eine Rolle. Nicht nur der Klang."

Sie spielen seit 2006 in der Band "Disko No. 1" von Jan Delay. Mit wem sind Sie vorher aufgetreten?
Wir Musiker sind ja fast alle Freelancer, ich habe in sehr unterschiedlichen Projekten gearbeitet. Unter anderem war ich schon mit James Last, Vicky Leandros, Karel Gott und Howard Carpendale unterwegs. Außerdem viel im Ausland, besonders in Frankreich. Auch Jazz spiele ich gern, etwa mit der NDR Bigband. Allerdings werde ich seit 2006 tatsächlich sehr stark mit Jan Delay assoziiert. Das liegt daran, dass er großen Wert auf die Arbeit der Band legt.

Ist das im Schlagerbereich anders?
Ja, aber auch da gibt es unterschiedliche Konzepte. Bei manchen zählt nur das Aushängeschild – der Sänger oder die Sängerin. Die Band dahinter ist dann eigentlich egal: Sie muss nur handwerklich gute Arbeit abliefern. Das Konzept ist absolut legitim, aber mehr Spaß macht es mir jetzt. Bei Jan sind wir nicht einfach austauschbar, sondern er hat uns als Musiker bewusst so zusammengestellt. Jeder bringt seine Persönlichkeit und seinen künstlerischen Stil mit ein.

Sie haben auch schon mit Otto Waalkes musiziert. Wer ist witziger: Otto Waalkes, Jan Delay oder Karel Gott?
Ich würde sagen, meinen persönlichen Humor trifft Jan Delay am besten.