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Weniger Wege

Mit der NFC-Technik von smart-TEC fährt die Müllabfuhr dann, wenn sie gebraucht wird.

smart-TEC

Intelligente Container

Im tschechischen Kolin kommt die Müllabfuhr nur dann, wenn die Tonne auch voll ist. Das spart Zeit und Geld – und schont die Umwelt. Möglich wird das durch NFC-Technik von smart-TEC.

In den meisten Städten funktioniert die Müllabfuhr ähnlich: Jede Woche kommen am gleichen Tag zur gleichen Zeit die Müllmänner. Sie klappern auf einer festen Route die Häuser ab und leeren einfach alle Abfallbehälter auf dem Weg – egal, ob die Tonnen noch fast leer sind oder vor Unrat schon überquellen. Im tschechischen Kolin ist das seit Kurzem anders. In der malerischen Kleinstadt, sechzig Kilometer östlich von Prag, fahren die Müllwagen jedes Mal eine andere Strecke. Erst kurz vor ihrer Tour erfahren die Männer, welchen Weg sie diesmal nehmen sollen. Angesteuert werden vornehmlich die vollen Tonnen.

Möglich wird das durch ein neues, intelligentes Müll-Managementsystem, das genau weiß, welche Abfallcontainer voll sind und welche noch Platz haben. "Die Müllwagen fahren nur zu den Tonnen, die schon voll sind. So können die Routen optimiert werden", erklärt Rotislav Suslo, Business Development Manager bei O2 IT Services, den Vorteil des innovativen Systems. "Man spart sich unnötige Fahrten und gleichzeitig werden Tonnen, die es nötig haben, öfter geleert."

Das IT-Unternehmen aus Prag setzt große Hoffnungen auf sein "Smart City Project". Es will Städte in Zukunft durch Einsatz digitaler Technik effizienter und umweltfreundlicher gestalten und die Lebensqualität der Bürger erhöhen – etwa durch die Optimierung des Verkehrs und der Energieversorgung. Eine Säule des Projektes ist das intelligente Müll-Managementsystem, das seit September 2016 in Kolin erprobt wird.

Die Müllcontainer in Kolin sind vernetzt. Online ist zu sehen, wo noch Platz für den Unrat ist.
Tomáš Blažek für digitales Müllmanagement

Digitales Müllmanagement

Tomáš Blažek schickt sich an, mit seinem Team die Müllabfuhr zu revolutionieren

Wer Müll vermeidet, der spart

Kernstück des Systems sind ein Sensor und ein Spezialetikett, die an jeder Mülltonne angebracht sind. Ein batteriebetriebenes Gerät im Deckel der Abfallbehälter misst per Ultraschall den Füllstand und sendet ihn automatisch an die Zentrale. Auf der Mülltonne klebt zusätzlich ein Etikett mit integriertem NFC-Chip und aufgedrucktem QR-Code – ein intelligentes Produkt von smart-TEC. Mitarbeiter der Stadt und die Müllmänner können so den Füllstand und den Standort der Abfallcontainer mit ihrem Smartphone erfassen und an die Zentrale weitergeben. Wenn sie den Abfallbehälter geleert haben, vermerken das die Müllmänner in einer speziellen App.

"Unsere Aufkleber haben den Vorteil, dass sie sehr günstig und langlebig sind und äußerst unempfindlich gegen Beschädigung", sagt Tomáš Kubíček, Business Development Manager bei smart-TEC Tschechien. Das Unternehmen der RATHGEBER-Gruppe hat die intelligenten Etiketten in seinem tschechischen Werk in Bystrice entworfen und produziert. Seit 15 Jahren ist die Firma spezialisiert auf individuell entwickelte RFID- und NFC-Etiketten. "Wir haben uns für smart-TEC entschieden, weil das Unternehmen jahrelang Erfahrung mit NFC-Technologie hat. Außerdem hat sich das Team von Anfang an sehr bemüht, auf unsere speziellen Anforderungen einzugehen. So hatten wir am Ende das perfekte Produkt", erklärt O2-Mann Rotislav Suslo.

Durch die intelligenten Tonnen kann die Stadtverwaltung ihre Müllwagen immer auf der idealen Route durch die Stadt schicken. Zudem wird auch sichtbar, in welchen Vierteln es vielleicht zu wenige Abfallcontainer gibt, wo und wann überdurchschnittlich viel Müll produziert wird – und wo die Einwohner besonders fleißig wertvolle Rohstoffe recyceln. Denn die Sensoren sind auch an den Wertstofftonnen für Bio-, Papier-, Glas-, Plastik- und Kartonabfälle befestigt.

Aber das smarte Müll-Management hat nicht nur für die Stadt Vorteile, sondern hilft auch den Einwohnern von Kolin. "Auf einer Web-Seite kann jeder sehen, wie voll der Abfallcontainer in seiner Nähe ist. Es sollte nie mehr vorkommen, dass jemand zu einer Tonne geht und seinen Müll nicht loswerden kann, weil sie schon voll ist", sagt Rotislav Suslo.

"Damit könnten wir zum Beispiel einen Wettbewerb starten, wer seinen Müll am besten recycelt."

Die mitdenkenden Abfallcontainer haben noch einen anderen Vorzug: Zurzeit zahlen alle Einwohner von Kolin pro Kopf gleich viel für ihre Mülltonne. Mit dem neuen System ist es möglich, dass Bürger, die weniger Abfall produzieren, auch weniger zahlen. "Das sollte die Bürger motivieren, Müll zu vermeiden", hofft Tomáš Kubíček.

Die Mitarbeiter von O2 IT Services und smart-TEC aus dem "Smart City Project" haben aber noch mehr Ideen, wie sich das neue System nutzen ließe. Jede Mülltonne lässt sich durch eine einzigartige ID auf den Etiketten identifizieren. "Damit könnten wir zum Beispiel einen Wettbewerb starten, wer am besten seinen Müll recycelt", sagt Rotislav Suslo.

Ein anderer Vorschlag: Die Bürger könnten den Füllstand der Abfallcontainer überprüfen und mit ihren Handys an die Zentrale senden. Das Ganze wird zu einem Spiel gemacht mit Preisen für die, die am meisten Punkte sammeln. Statt bei Pokemon Go mit dem Smartphone virtuelle Monster zu fangen, könnten die Einwohner von Kolin also demnächst auf Mülltonnen-Jagd gehen.

Ob  eine dieser Ideen umgesetzt wird, entscheidet sich im Frühjahr 2017, dann findet die Evaluierung des Pilotprojektes statt. Tomáš Kubíček ist optimistisch, dass das Projekt verlängert und noch ausgebaut wird. Kolin und das Müll-Managementsystem sollen nur der Anfang einer Smart-City-Offensive von smart-TEC sein: "Smart City besteht aus ganz vielen, verschiedenen Konzepten. Wir arbeiten an Technologien, die in ganz unterschiedlichen Situationen eingesetzt werden können."